Wer ist Stuttgart?

Wer ist Stuttgart? Und was bedeutet das für die Menschen, die hier leben? Zwischen 2008 und 2011 setzte sich der Stuttgart Salon diese Fragen zum Thema, überzeugt, dass wertschätzende Gespräche Menschen motivieren, Ideen und Engagement zu verbinden. Der Stuttgart Salon ist eine Initiative, ein Engagement und ein Format von curious minds und zeigt, wie Lernen stattfinden kann.
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Freitag, 4. März 2011

PINK Production

Wie sieht die Produktion der Zukunft aus? Und: Für was steht eigentlich das „PINK“ in PINK Production?

Am Montag Abend wurde das Geheimnis gelüftet: PINK steht nicht nur für den pinken Tüll, der dem Veranstaltungsort einen surrealen Anstrich gab, sondern es ist eine Abkürzung, die jeder für sich selbst definieren kann. Der stuttgart | salon startete mit folgendem Vorschlag:

Persönlich
Individuell
Neuartig
Koopetativ

Vielleicht ist PINKer Tüll gleichzeitig auch ein Hinweis darauf, wie die Produktion in Zukunft gestaltet werden muss: Eine kleinteilige und flexible Verbundstruktur, bei der dennoch feste Verbindungen zwischen den Elementen existieren müssen. Ferner soll auch die Gesprächsatmosphäre ein bisschen PINK sein: Es sollen Utopien entworfen werden und zwar gerne auch durch die rosarote Brille. Das heißt: Wie wünschen wir uns eine Produktion der Zukunft?

Die Diskussion zwischen Nazim Cetin (Herausgeber der agora42), Martin Elbert (Betreiber des Blogs KesselTV), Felicia Copaciu (Coworking Stuttgart), Demian Bern (EXP.edition), Jonnie Döbele (Filmemacher), Herrn Edlmayer (4D Solutions), Andre Reichel (Graduiertenschule für advanced Manufacturing Engineering der Uni Stuttgart) und Niombo Lomba (Stadträtin Stuttgart) und Katrin Steglich (curious minds, stuttgart|salon) wurde von Thomas Staehelin moderiert.

Die grundsätzliche Problematik, dass immer größere Produktivitätssteigerungen mit immer weniger Menschen erreicht werden, führt dazu, dass mit einer Neubewertung des Begriffs Produktion auch ein neues Verständnis von Arbeit einhergehen muss. Gleichzeitig scheint sich darin jedoch nur eine Entwicklung zu wiederholen, die wir in der Landwirtschaft schon lange beobachten konnten: Arbeiteten noch vor 150 Jahren 93% der Amerikaner in der Landwirtschaft, so sind dies heute 3% – und diese 3% decken nicht nur den Bedarf der gesamten amerikanischen Bevölkerung, sondern produzieren sogar das Doppelte dieses Bedarfs.

Es standen viele Thesen im Raum: Die Produktion muss kleinteiliger werden, muss individueller werden, muss für jeden Einzelnen nachvollziehbarer werden, sie muss lokaler werden und dort stattfinden, wo die Produkte letztlich konsumiert werden. Es wurden die Möglichkeiten diskutiert, die sich durch neuartige 3D-Drucker bieten: Menschen werden in die Lage versetzt, gewisse Dinge, die die Grundversorgung sicherstellen, selbst zu produzieren. Aber nicht nur innovative Konzepte wie die der futuristischen 3D-Drucker müssen Gegenstand der neuen Produktionsordnung sein, sondern gleichzeitig bedarf es einer Rückbesinnung hinsichtlich der Rolle, die Banken in der Gesellschaft zu spielen haben.

Gleichzeitig darf jedoch nicht vergessen werden, dass die Strukturen, die die heutige Produktion-(sgesellschaft) ausmachen, einer eigenen Logik folgen und in manchen Bereichen sehr sinnvoll sind. Ein Auto kann in absehbarer Zeit nicht von einem 3D-Drucker hergestellt werden; genauso wenig kann es von einer einzigen Person in einer Garage produziert werden. Große Verbundstrukturen ergeben also durchaus Sinn. Auch große, international aufgestellte Banken muss es geben, um ein ins Ausland expandierendes Unternehmen finanziell zu unterstützen.

Eines wurde jedoch klar: So wie bisher kann in Zukunft nicht produziert werden, weil dafür die Ressourcen gar nicht vorhanden sind. Ein ideologisches Festhalten an überlieferten Produktionsstrukturen würde insofern fatale Auswirkungen haben.

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