Wer ist Stuttgart?

Wer ist Stuttgart? Und was bedeutet das für die Menschen, die hier leben? Seit 2008 setzt sich der Stuttgart Salon diese Fragen zum Thema, überzeugt, dass wertschätzende Gespräche Menschen motivieren, Ideen und Engagement zu verbinden. Der Stuttgart Salon ist eine Initiative, ein Engagement und ein Format von curious minds und zeigt, wie Lernen stattfinden kann.
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Dienstag, 24. Januar 2012

Freitag, 20. Januar 2012

Inspiration: Demokratie

Schöner Beitrag von Jarreth Merz, der nicht nur für Afrika eine Relevanz hat.




Montag, 28. November 2011

Meisterbürger

Die Diskussion des letzten stuttgart|salons formulierte den Wunsch nach konkreten Maßnahmen, wie sich das Engagement der Bürger in Stuttgart über S21 hinaus für die Gestaltung der Stadt erhalten ließe. Denn es hat sich etwas verändert in Stuttgart. Das letzte Jahr und darüber hinaus engagierten sich Bürger für S21 und K21 in bisher unbekannter Weise. Die Bürger sind über dieses Projekt „aufgewacht“ und wollen mitbestimmen, was in der eigenen Stadt geschieht. Diesen politischen Gestaltungswillen aufzugreifen und in zukünftige Entwicklungen der Stadt einfließen zu lassen – das galt es zu erfinden. Die nachfolgenden Gespräche zum stuttgart|salon mit anderen Interessierten brachten eine Idee hervor. Die Meisterbürger. Eine Plattform als Dienstleistung für ein neues Bürgernetzwerk, in dem die Inhalte durch die Bürger eingebracht und entschieden werden. Das oberste Ziel dabei ist die aktive Durchsetzung der Interessen der Bürger. Das Mittel ist die wechselseitige Unterstützung der vielfältigen Anliegen. Der Stil gründet auf persönlichen Kontakt, Vertrauen und Respekt. Die Plattform ist noch im Entstehen, aber Näheres dazu gibt es bald unter meisterbuerger.org zu sehen.

Dienstag, 7. Juni 2011

Die ver-rückte Stadt

„Während anderswo in Europa die Eliten eher die Wut der Vorstädte, der Wohlstandsverlierer fürchten mußten, waren sie in Stuttgart mit einer wachsenden Gruppe rebellierender Fachleute konfrontiert. Und wer noch kein Fachmann war, der wurde einer.
…. Was sie erlebten, war ein Gegenbeweis für jene alte Theorie, die Macht würde von den Wissenden ausgehen. Denn die Wissenden waren sie ja selbst. Somit war der Schwindel offenkundig: Jeder konnte erkennen, wie sehr die Macht auch ganz ohne Wissen funktioniert und daß jener Gedanke Nietzsches Bestand hat, der die Macht als Folge des Willens sieht. Der Wille erzeugt die Macht, nicht das Wissen, nicht die Bildung.“
Zitat von Heinrich Steinfest (Wo die Löwen weinen, Kriminalroman)

Ver-rückt – es hat sich etwas verschoben in Stuttgart, und damit auch die Perspektive. Unabhängig von den Gründen, die den Politikwechsel im Land tatsächlich ermöglicht haben, haben sich die Menschen in Stuttgart in den vergangenen Monaten und Jahren verändert. Nicht nur die, die eine vorbildhafte Lernoffensive demonstriert haben, die einfach passiert ist. Man bemerke: Ohne viele Experten, die mit viel Getue und TamTam ein poliertes, perfekt abgestimmtes professionelles Spektakel inszeniert haben. Nein. Die Empörung selbst war Antrieb genug, miteinander zu reden, zu teilen, zu begeistern, zu studieren, beharrlich dran zu bleiben, eine neue Offenheit auf der Straße zu erleben, die zu einer für Stuttgart ganz ungewöhnlichen Gesprächigkeit mit Fremden geführt hat. Ich persönlich meine, dass die Sinnfrage die Empörung und das Lernen erst ermöglicht hat. Wie möchte ich leben? Wie möchte ich behandelt werden? Was ist mir wichtig? Die Ungeniertheit der Strippenzieher erweckte die Empörung erst in dieser Solidarität. Stuttgart hat den Aufruf Stéphane Hessels „Empört euch!“ gelebt. Doch was folgt darauf?

Die Stuttgarter Kunstszene zumindest erfährt eine Belebung. Auch die Kreativität der Bürger ist explodiert, eine neue Atmosphäre ist zu spüren in der Stadt, die entstehenden Subkulturen bisher nur zu gerne den Boden unter den Füßen weggezogen hat – und der Bauzaun kam ins Museum.

Es haben sich auch jene verändert, die nicht Teil der gewaltigen und vorbildhaften Lernoffensive waren. Die S21 Befürworter, die sich auf die alte Art des Campaignings fokussiert hatten – die mit dem richtigen Marketing schon die Stuttgarter überreden würden – auch sie haben sich verändert. Bisher zuverlässige Automatismen stottern und auch das muss eine Wirkung auf die Wahrnehmung haben. Experten wurden zu Ver-rückten, die in einer neuen Wirklichkeit aus veränderten globalen Zusammenhängen und lokalen Verschiebungen ihre Thesen nicht mehr sinnvoll andocken konnten.

Doch was folgt darauf? Grundloses Handeln um irgendetwas zu bewegen? Oder – Brot in flüssigen Parmesan dippend ;-) – im Salon den Zusammenschluss starker Akteure und neue Ideen zu diskutieren– über das Leben wie wir es wollen, über demokratische Grundlagen und eine lebenswerte Zukunft. Dazu zumindest finden schon erste Ideenaustausche statt und der nächste stuttgart|salon wird sich – nachdem wir jetzt festgestellt haben, dass Stuttgart tatsächlich ver-rückt ist – dem Gespräch widmen, konkrete Ideen zur Veränderung zu diskutieren. Ganz nach dem Motto der neuen Thesen von Stéphane Hessel: „Engagiert euch!

Die Gäste des stuttgart|salons waren: Maria Arenz, Thorsten Puttenat, Annette Ohme-Reinicke, Tanja Maria Ernst, Klaus Gebhard, Marga Biebeler und Felicia Copaciu. Danke an alle, die den Abend durch Ideen und Anwesenheit gestaltet haben! Danke an Heinrich Steinfest, der mit seinem Krimi „Wo die Löwen weinen“ für Inspiration, treffende Beschreibungen und Erheiterung sorgte! Und danke an Harald und Felicia, die den stuttgart|salon im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche bei Coworking0711 beherbergten!

Die ver-rückte Stadt

Montag, 6. Juni 2011

Das war der stuttgart|salon: Die ver-rückte Stadt

Hier die Bilder zum stuttgart|salon "Die ver-rückte Stadt". An dieser Stelle allen Gästen ein herzliches Dankeschön fürs Dabei-sein! In dieser Woche folgen hier im Blog weitere Beiträge zum Salon und der nächste stuttgart|salon zu "Stuttgart22 - die kreative Stadt" ist übrigens schon im Gespräch. Hier werden wir die konkreten Ideen zur Umsetzung aufgreifen. Allen eine schöne Woche!

Donnerstag, 26. Mai 2011

Rückblick PINK Production

Interessanter Artikel mit Bezug auf den letzten stuttgart|salon: PINK Production - Wohin geht Stuttgart, wenn Daimler geht?

zum Artikel in der FAZ

Donnerstag, 19. Mai 2011

Stuttgart: Die ver-rückte Stadt

Der stuttgart|salon am 03. Juni wird ab 19 Uhr live bei Fluegel.tv gestreamed. Vielen Dank! Zu sehen ist das Gespräch zum Psychogramm Stuttgart.

Donnerstag, 5. Mai 2011

Stuttgart: Die ver-rückte Stadt


Wie lebt es sich in einer Stadt, die gerade neue Züge an sich kennen lernt und doch sich und ihrer Zukunft noch nicht recht traut?

Der nächste stuttgart|salon findet statt am 03. Juni im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche von CoWorking0711. Fokus: Chancen und Hintergründe des Politikwechsels in Baden-Württemberg. Wir freuen uns drauf!

Donnerstag, 17. März 2011

Hinweis: Stuttgarter Kongress am 28./29. März

Auf dem „Stuttgarter Kongress“ wird über eine neue Gesellschaftsordnung nachgedacht und über konkrete Schritte zur Umsetzung eines gesellschaftlichen Wandels diskutiert. Ausgehend von der offensichtlichen Tatsache, dass die europäischen Staaten vor einem grundlegenden Wandel stehen, geht es darum, diesen optimal zu gestalten.

Der „Stuttgarter Kongress“ findet in der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart statt und wird vom Magazin „agora42“ ausgerichtet.

Mehr unter agora42
und wir sind revolution

Dienstag, 15. März 2011

Das Interview-Projekt von Austin Lynch und Jason S.




Das Interview Project Germany von AUSTIN LYNCH und JASON S – ein Roadtrip quer durch Deutschland – hunderte von Kilometern von Ost nach West und von Nord nach Süd. Eine Reise, die von ganz und gar zufälligen Begegnungen mit fünfzig sehr unterschiedlichen Menschen lebt. Jeder dieser Menschen hat der IPG Filmcrew eine andere Geschichte erzählt – seine eigene. Vom Lebensglück, plötzlichen Wendungen und lebenslanger Suche, vom Scheitern, Angst und Wiederaufstehen, von Sehnsucht, Liebe und Glauben. Persönlich und unerwartet, authentisch und berührend. Viele von ihnen haben ihr Leben so noch nie mit jemandem geteilt.

Das Ergebnis: ganz gewöhnliche Menschen erlauben uns ganz ungewöhnliche Einblicke.
Menschen und die Fazination über ihre Geschichten, das ist das, was uns mit Austin und Jason verbindet.

Freitag, 4. März 2011

PINK Production

Wie sieht die Produktion der Zukunft aus? Und: Für was steht eigentlich das „PINK“ in PINK Production?

Am Montag Abend wurde das Geheimnis gelüftet: PINK steht nicht nur für den pinken Tüll, der dem Veranstaltungsort einen surrealen Anstrich gab, sondern es ist eine Abkürzung, die jeder für sich selbst definieren kann. Der stuttgart | salon startete mit folgendem Vorschlag:

Persönlich
Individuell
Neuartig
Koopetativ

Vielleicht ist PINKer Tüll gleichzeitig auch ein Hinweis darauf, wie die Produktion in Zukunft gestaltet werden muss: Eine kleinteilige und flexible Verbundstruktur, bei der dennoch feste Verbindungen zwischen den Elementen existieren müssen. Ferner soll auch die Gesprächsatmosphäre ein bisschen PINK sein: Es sollen Utopien entworfen werden und zwar gerne auch durch die rosarote Brille. Das heißt: Wie wünschen wir uns eine Produktion der Zukunft?

Die Diskussion zwischen Nazim Cetin (Herausgeber der agora42), Martin Elbert (Betreiber des Blogs KesselTV), Felicia Copaciu (Coworking Stuttgart), Demian Bern (EXP.edition), Jonnie Döbele (Filmemacher), Herrn Edlmayer (4D Solutions), Andre Reichel (Graduiertenschule für advanced Manufacturing Engineering der Uni Stuttgart) und Niombo Lomba (Stadträtin Stuttgart) und Katrin Steglich (curious minds, stuttgart|salon) wurde von Thomas Staehelin moderiert.

Die grundsätzliche Problematik, dass immer größere Produktivitätssteigerungen mit immer weniger Menschen erreicht werden, führt dazu, dass mit einer Neubewertung des Begriffs Produktion auch ein neues Verständnis von Arbeit einhergehen muss. Gleichzeitig scheint sich darin jedoch nur eine Entwicklung zu wiederholen, die wir in der Landwirtschaft schon lange beobachten konnten: Arbeiteten noch vor 150 Jahren 93% der Amerikaner in der Landwirtschaft, so sind dies heute 3% – und diese 3% decken nicht nur den Bedarf der gesamten amerikanischen Bevölkerung, sondern produzieren sogar das Doppelte dieses Bedarfs.

Es standen viele Thesen im Raum: Die Produktion muss kleinteiliger werden, muss individueller werden, muss für jeden Einzelnen nachvollziehbarer werden, sie muss lokaler werden und dort stattfinden, wo die Produkte letztlich konsumiert werden. Es wurden die Möglichkeiten diskutiert, die sich durch neuartige 3D-Drucker bieten: Menschen werden in die Lage versetzt, gewisse Dinge, die die Grundversorgung sicherstellen, selbst zu produzieren. Aber nicht nur innovative Konzepte wie die der futuristischen 3D-Drucker müssen Gegenstand der neuen Produktionsordnung sein, sondern gleichzeitig bedarf es einer Rückbesinnung hinsichtlich der Rolle, die Banken in der Gesellschaft zu spielen haben.

Gleichzeitig darf jedoch nicht vergessen werden, dass die Strukturen, die die heutige Produktion-(sgesellschaft) ausmachen, einer eigenen Logik folgen und in manchen Bereichen sehr sinnvoll sind. Ein Auto kann in absehbarer Zeit nicht von einem 3D-Drucker hergestellt werden; genauso wenig kann es von einer einzigen Person in einer Garage produziert werden. Große Verbundstrukturen ergeben also durchaus Sinn. Auch große, international aufgestellte Banken muss es geben, um ein ins Ausland expandierendes Unternehmen finanziell zu unterstützen.

Eines wurde jedoch klar: So wie bisher kann in Zukunft nicht produziert werden, weil dafür die Ressourcen gar nicht vorhanden sind. Ein ideologisches Festhalten an überlieferten Produktionsstrukturen würde insofern fatale Auswirkungen haben.

Samstag, 26. Februar 2011

PINK Production -28.02.2011

Wohin geht Stuttgart, wenn der Daimler geht?


Ab 20 Uhr geht der Salon "PINK Production - Wohin geht Stuttgart, wenn Daimler geht?" ins Gespräch.
WebStreaming Fluegel TV

EXP.edition (http://www.exp-edition.com)

Dienstag, 15. Februar 2011

PINK Production - neue Sichten, neue Formen, neue Arbeit


Holton Rower’s artworks are beautiful in their finished state but are arguably more mesmerising as they are being created. Dave Kaufman has captured the genesis of these artworks in time lapse.
(Thanks to PSFK)

Links:
Holton Rower
PSFK
Curious Minds/ PINK Production

Mittwoch, 2. Februar 2011

stuttgart|salon am 28.02.2011: PINK Production - Wohin geht Stuttgart wenn Daimler geht?

Stuttgart ist eine klassische Produktionsstadt – technisch, automobil und selbstverständlich. Daimler, Bosch, Mahle, Porsche sind nur ein paar der vielen Firmen rund um Stuttgart, die als prototypische Produktionsunternehmen gelten können. Produktion, als ein Prozess verstanden, bei dem verschiedene Eingangsmaterialien in ein Ausgangsprodukt transformiert werden, prägte den wirtschaftlichen Aufschwung der Region rund um Stuttgart – und droht jetzt sein Verhängnis zu werden. Wir ahnen es, können es aber noch nicht fassen. Die Konsequenzen sind unvorstellbar (man denke an die Situation der Phonoindustrie vor ein paar Jahren). Längst haben sich die größten Wachstumsmärkte nach Fernost verschoben und komplexe Entwicklungs- und Designprozesse ins Internet. Die Verlagerung der Produktion in Richtung dieser Märkte ist eine zwangsläufige Konsequenz, denn zum einen wachsen dort Kaufkraft und Selbstbewusstsein, zum anderen wird die Forderung nach “Local Content” lauter: Waren, die auf den dortigen Märkten verkauft werden, sollen im Wesentlichen auch dort produziert werden. Das Erfolgsmodell der deutschen Wirtschaft – hochwertige Produktion und Handelsbilanzüberschüsse durch Exporte – scheint in absehbarer Zeit ein Ende zu finden. Es gab eine Zeit, da “Made in Germany” eine Warnung vor schlechter Qualität war, aber das änderte sich bald. Es kommt eine Zeit, da “Made in China” ein positives Qualitätsmerkmal beschreibt.

In Folge dessen muss sich Deutschland im Allgemeinen und die Region Stuttgart im Besonderen damit beschäftigen, wie auf die gewaltigen Veränderungen reagiert werden soll. Allein am Beispiel Daimler lässt sich die Automobilabhängigkeit eindrucksvoll aufzeigen: Aktuell beschäftigt der Daimler-Konzern im Raum Stuttgart circa 80.000 Menschen. Diese 80.000 Arbeitsplätze bedeuten bei der Zulieferindustrie weitere 80.000 - 100.000 Arbeitsplätze – wobei die Arbeitsplätze, die indirekt von Daimler abhängen (wie in der Verwaltung, in der Gastronomie usw.), noch gar nicht mitgerechnet sind. Was passiert, wenn großflächige Produktionsverlagerung erfolgen? Wenn in kurzer Frist 40.000 Arbeitsplätze im Raum Stuttgart wegfallen?

Auf der Suche nach Antworten auf die Fragen, die sich aus solch einem Szenario ableiten, reicht es nicht, in den bewährten Strukturen zu denken. Es reicht nicht, durch Lean Production die Produktivität zu erhöhen, durch integriertes Supply Chain Management die Wertschöpfungsprozesse noch besser zu verzahnen oder eine Bildungsoffensive zu verkünden. Es braucht dazu andere Formate, unübliche Sichtweisen, ungereimte Argumentationen und Neugier. Neue Lösungen finden sich nicht im Bekannten. Der stuttgart | salon ist ein solches Format. Mit Menschen aus Produktion und Finanzmärkten, Design und Kunst, Theorie und Praxis diskutieren wir am 28. Februar im Rahmen des Salons. Steht eine grundlegende Neudefinition der Produktion an? Wie kann nicht nur Produktion und Technik, sondern auch Arbeit neu definiert werden? Wie müssen sich die gesellschaftlichen Strukturen verändern, damit auch ein grundlegender wirtschaftlicher Wandel gelingen kann?

Dieser Salon ist eine gemeinsame Veranstaltung des stuttgart | salon und des Magazins für Ökonomie und Philosophie agora42. Der Salon ist dieses Mal zu Gast bei der EXP.edition, einer Experimentierplattform im Format eines Verlags zur Entwicklung und Herausgabe von Editionen.

Interessierte können sich anmelden über diesen Link.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Wer ist Stuttgart? Interview mit Leonie Weber

Leonie Weber hat im Sommer 2010 die Ausstellung Raumfreiheiten zu den Wagenhallen und Waggons kuratiert, die auf große Begeisterung stieß. Siehe Raumfreiheiten

Dienstag, 28. September 2010

Der stuttgart|salon zu Gast bei Wolfgang Seitz: Stadt neu denken

Ein großes Thema hatte sich der stuttgart|salon vorgenommen. Rückblickend hat es vielleicht zu viele unterschiedliche Impulse gegeben auf Kosten der Vertiefung einiger Themen. Ich habe darüber lange nachgedacht. Die Zusammenhänge werden immer komplexer, weshalb Systeme nicht mehr einzeln betrachten werden können. Deshalb war das weite Feld ein guter Startpunkt, von dem aus es in den nächsten Wochen weitere Gespräche geben könnte, in kleineren Runden - mit Blick für das Ganze und einem Fokus auf das Spezielle: Gespräche in der „Schrödinger Denkbox“. Wer gerne dabei sein möchte, kann sich gerne mit mir in Verbindung setzen.

Die Frage war, wie Arbeit in der Stadt unter den sich ändernden Rahmenbedingungen neu gedacht werden kann und wie die Stadt sich dem anpassen kann, wie die Stadt zum Ermöglicher werden kann. Die Frage war auch, welche Kultur es dazu braucht.

Bilder, die Prof. Frithjof Bergmann (Neue Arbeit Neue Kultur) zu Beginn auf den Tisch legte, beschreiben die Möglichkeit einer viel vernetzteren Kleinteiligkeit für zukünftige Systeme, der Miniaturisierung von Konzernen und Banken, über die Möglichkeit, mit neuen Technologien und Community Production den eigenen Lebensunterhalt nachhaltig zu sichern, um nicht mehr so abhängig von Lohnarbeit in Vollzeit und den Folgen der Globalisierung zu sein. Eine Querverbindung zu Nassim Taleb und seinem neuesten Buch (Der Schwarze Schwan – Konsequenzen aus der Krise) möchte ich hier gerne machen: Laut Taleb sollten einzelne Systeme nie so groß werden, dass ihr Einsturz alles mitreißen kann. Er rät, dass Staaten wieder dadurch Stabilität erhalten, wenn sie kleinere Strukturen stärken und nicht einzelne – dann systemrelevante – Konzerne stützen, die immer größer, fragiler und dadurch gefährlicher für die Stabilität würden. Zurück zu Prof. Bergmann. Neueste Technologien im High-Tech Bereich (z.B. 3D-Drucker) und dem Low-Tech Bereich (z.B. Ecobond) könnten helfen, dass Menschen unabhängiger vom Wachstumsdruck werden und für sich eine höhere Lebensqualität erreichen, die nicht auf Verzicht, sondern auf intelligenter Technologie und Nachhaltigkeit basiert. Gekoppelt mit der Frage, was man wirklich wirklich arbeiten möchte, bietet das vielen Menschen heute schon eine Perspektive. In Detroit, wo nach dem Zusammenbruch der Automobilindustrie in Teilen eine Arbeitslosigkeit von 70% herrscht, ist Prof. Bergmann jetzt offiziell mit dem Wiederaufbau der Wirtschaft beauftragt. Die Ansätze von Neue Arbeit Neue Kultur werden in Detroit umgesetzt und so entstehen mitten in der Stadt Flächen für Community Production, innovative High-Tech-Formate und viele kleine Initiativen.

Was eröffnet diese Perspektive mit Blick auf Stuttgart? Hat das etwas mit uns, einer Automobilstadt, zu tun? Einer der Automobilkonzerne hat bereits angekündigt, dass die Chinesen irgendwann auch Produkte kaufen wollen, die chinesischer Herkunft sind oder zumindest in chinesischer Produktion entstanden sind. (Zetsche, 20.09.2010) Wie werden die Menschen hier zukünftig leben und arbeiten? Welche Kultur muss dafür geschaffen werden? Welche Alternativen wird es zukünftig geben?

Die Entwicklungen um die Kontroverse S21 zeigen, dass es viele besorgte Menschen gibt, die nicht daran glauben, dass mit weiteren spekulativen Schulden (ein Begriff von Nassim Taleb, der das Schuldenmachen im Vertrauen auf zukünftige Einnahmen beschreibt) nachhaltiger Fortschritt erzeugt wird. Nach Richard Florida wird Status zukünftig nicht mehr durch Überfluss demonstriert sondern mit durchdachtem Konsum. Ein Zeitgeistwandel unglaublichen Ausmaßes. Nachzulesen im aktuellen GDI Magazin oder – die ausführliche Variante - in seinem Buch The Great Reset.

Was die Kontroverse um S21 jedoch auch zeigt, ist dass es viele Menschen gibt, die sich wieder interessieren – politisch und konkret. Menschen wollen sich einbringen, aber nicht „eingebracht“ und vereinnahmt werden. Welche kreative und konstruktive Kraft darin steckt, zeigten gerade die letzten, großen Kunstprojekte von Wolfang Seitz.

Kann der am Salon diskutierte Ansatz des Kleinteiligen hier helfen? Eine Feststellung des Abends war, dass der gestalterische Aspekt in Stuttgart noch fehlt. Dass Begeisterung die Initialzündung für etwas sein kann, aber dass nur durch Nachdenken und Gestalten ein Ziel auch erreicht werden kann. Und dann gilt für jeden der schöne Nike Slogan – Just do it.

Wie kann eine Stadt die Gegenwart und die Zukunft vereinen? Wie bringt man Systeme zusammen? Alte und neue? Wie muss eine Stadt aussehen, die nicht nur dem Großen Raum gibt, sondern auch dem Kleinen? Was bedeutet das für die Stadtplaner in Stuttgart? Für die politischen Mandatsträger? Für die Experten und Kritiker? Für die Menschen, die hier leben?

Wir haben viel gefragt und einige Ideen gehört, wie es hier oder anderswo bereits umgesetzt wird. Viele Fragen bleiben offen, in dem Vertrauen, dass der Salon viele Denkanstöße gegeben hat und dies bei allen Beteiligten nachhallt und arbeitet. Wenn das so ist, dann war der Abend aus meiner Sicht ein Erfolg. Und an dieser Stelle auch nochmals ein herzliches Dankeschön an Wolfgang Seitz – wir waren sehr gerne in der Eigen.Art!


Dieser Salon war eine Gemeinschaftsproduktion mit dem Salon de travail von Dr. Walter Häcker und wurde von Myself e.V. großzügig unterstützt. Auch an Myself e.V. an dieser Stelle einen besonderen Dank!